EINLEITENDE WORTE

Integration von Menschen aus fremden Ländern kann gelingen

Dr. Richard Theiner - Landesrat für Familie, Gesundheit und Soziales Integration ist ein beidseitiger Prozess, der nicht von heute auf morgen reibungslos über die Bühne geht. Die stufenweise Angleichung an Chancengleichheit in den verschiedenen Bereichen fordert eine klare Koordinierung und Steuerung von Seiten der Politik. Der Grundsatz fordern und fördern kann als Richtlinie für beide Seiten genannt werden.

Integration ist somit nicht nur eine Herausforderung, der sich die nach Italien bzw. Südtirol eingewanderten oder aus Einwandererfamilien stammenden Menschen stellen müssen. Ebenso gefordert ist auch die aufnehmende Gesellschaft, die lernen muss, mit diesen Menschen zu leben und kulturelle Vielfalt als Chance für die gemeinsame Entwicklung zu nutzen. Als besonders wichtig erschien allen Anwesenden das Thema Sprachförderung. Die gute Beherrschung von Sprachen – der Muttersprache ebenso wie einer Zweit- oder Fremdsprache – ist heute mehr als bisher bedeutsam für die Stellung einen Menschen im Erwerbsleben und in der Gesellschaft. Sprachen verbinden, und ohne Verbindung gibt es weder Wirtschaft noch Gesellschaft. In der Südtiroler Gesellschaft stellen sich besondere sprachpolitische Herausforderungen: es braucht konkrete Angebote für Erwachsene Zuwandernde, ein Schul- und Bildungssystem das Kinder und Jugendliche nichtdeutscher (nichtitalienischer) Muttersprache beim Erwerb von Deutsch (Italienisch) als Zweitsprache bestmöglich unterstützen kann, und die Anerkennung und Förderung der Muttersprache. Es ist unumstritten, dass Sprachkompetenz langfristig gesehen über die Integrationsmöglichkeit der neuen Bürger entscheidet. Daher muss in erster Linie von Seiten der Einwanderer der Wille und der Wunsch vorhanden sein Sprache zu erlernen. Wer in Südtirol bleiben möchte muss sich verständigen können, denn ohne das Beherrschen der Landessprachen ist keine Integration möglich.

Integrationsbereite Ausländer haben Anspruch auf eine Kultur der Anerkennung. Dies erfordert von der Mehrheitsgesellschaft einen differenzierenden Blick auf die verschiedenen Ausländergruppen und auch auf die jeweiligen Religionsgemeinschaften. Politik und Mehrheitsgesellschaft sind mitverantwortlich, Ausländer vor Pauschalkritik in Schutz zu nehmen. Den Schlüssel zum Integrationserfolg haben jedoch die Ausländer selbst in der Hand. Den praktischen Nachweis, dass der Ausländer als solcher nicht problematisch und integrationsunwillig ist, kann ihnen jedoch niemand abnehmen. Aus diesen Gründen sind die Idee und die Umsetzung zu einem Leitbild welches gemeinsam mit Vertretern der Mehrheitsbevölkerung und den ausländischen Mitbürgern selbst erarbeitet wurde ein wichtiger und sinnvoller Schritt. Auch die Tatsache, dass die BZG Pustertal und der KVW Pustertal diese Aufgabe trotz relativ niedriger Ausländeranzahl gemacht haben beweist noch mehr den längerfristig und nachhaltigen verantwortungsvollen Umgang mit gesellschaftsrelevanten Themen.

DR. RICHARD THEINER –
LANDESRAT FÜR FAMILIE, GESUNDHEIT UND SOZIALES
Autonome Provinz Bozen - Südtirol Caritas Diozese Bozen-Brixen