
Integration ist ein beidseitiger Prozess, der nicht von heute
auf morgen reibungslos über die Bühne geht. Die stufenweise
Angleichung an Chancengleichheit in den verschiedenen Bereichen
fordert eine klare Koordinierung und Steuerung von Seiten der
Politik. Der Grundsatz fordern und fördern kann als Richtlinie
für beide Seiten genannt werden.
Integration ist somit nicht nur eine Herausforderung, der sich
die nach Italien bzw. Südtirol eingewanderten oder aus Einwandererfamilien
stammenden Menschen stellen müssen. Ebenso gefordert ist auch
die aufnehmende Gesellschaft, die lernen muss, mit diesen Menschen
zu leben und kulturelle Vielfalt als Chance für die gemeinsame
Entwicklung zu nutzen. Als besonders wichtig erschien allen
Anwesenden das Thema Sprachförderung. Die gute Beherrschung
von Sprachen – der Muttersprache ebenso wie einer Zweit- oder
Fremdsprache – ist heute mehr als bisher bedeutsam für die Stellung
einen Menschen im Erwerbsleben und in der Gesellschaft. Sprachen
verbinden, und ohne Verbindung gibt es weder Wirtschaft noch
Gesellschaft. In der Südtiroler Gesellschaft stellen sich besondere
sprachpolitische Herausforderungen: es braucht konkrete Angebote
für Erwachsene Zuwandernde, ein Schul- und Bildungssystem das
Kinder und Jugendliche nichtdeutscher (nichtitalienischer) Muttersprache
beim Erwerb von Deutsch (Italienisch) als Zweitsprache bestmöglich
unterstützen kann, und die Anerkennung und Förderung der Muttersprache.
Es ist unumstritten, dass Sprachkompetenz langfristig gesehen
über die Integrationsmöglichkeit der neuen Bürger entscheidet.
Daher muss in erster Linie von Seiten der Einwanderer der Wille
und der Wunsch vorhanden sein Sprache zu erlernen. Wer in Südtirol
bleiben möchte muss sich verständigen können, denn ohne das
Beherrschen der Landessprachen ist keine Integration möglich.
Integrationsbereite Ausländer haben Anspruch auf eine Kultur
der Anerkennung. Dies erfordert von der Mehrheitsgesellschaft
einen differenzierenden Blick auf die verschiedenen Ausländergruppen
und auch auf die jeweiligen Religionsgemeinschaften. Politik
und Mehrheitsgesellschaft sind mitverantwortlich, Ausländer
vor Pauschalkritik in Schutz zu nehmen. Den Schlüssel zum Integrationserfolg
haben jedoch die Ausländer selbst in der Hand. Den praktischen
Nachweis, dass der Ausländer als solcher nicht problematisch
und integrationsunwillig ist, kann ihnen jedoch niemand abnehmen.
Aus diesen Gründen sind die Idee und die Umsetzung zu einem
Leitbild welches gemeinsam mit Vertretern der Mehrheitsbevölkerung
und den ausländischen Mitbürgern selbst erarbeitet wurde ein
wichtiger und sinnvoller Schritt. Auch die Tatsache, dass die
BZG Pustertal und der KVW Pustertal diese Aufgabe trotz relativ
niedriger Ausländeranzahl gemacht haben beweist noch mehr den
längerfristig und nachhaltigen verantwortungsvollen Umgang mit
gesellschaftsrelevanten Themen.
DR. RICHARD THEINER –
LANDESRAT FÜR FAMILIE, GESUNDHEIT UND SOZIALES